Seit dem Spätwinter des Jahres 2020 hat sich das Leben entscheidend verändert, nicht nur das Leben jedes einzelnen Individuums, sondern das Leben der meisten Menschen in unserer Gesellschaft, ja sogar das Leben einer überwiegenden Mehrheit der Erdenbürger unseres Planeten. Nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland wirkte sich politisches Handeln der Bundes- und Landesregierungen derart unvermittelt und unmittelbar auf die Bürgerinnen und Bürger und deren sozialen Beziehungen aus. Noch nie vorher wurde ganz konkretes politisches Handeln aufgrund wissenschaftlicher Ergebnisse für alternativlos erklärt. Umso überraschender erscheint der inzwischen in unserer Gesellschaft entstandene Spalt, der seit Beginn des ersten Lockdowns immer weiter auseinanderklafft, obwohl doch gerade die Wissenschaft für Objektivität steht wie kaum eine andere Domäne des Menschen.

Viele Freundschaften sind endgültig zerbrochen und der Kontakt wurde vorübergehend oder sogar ganz eingestellt. Selbst in den Kernfamilien sorgt die Pandemie mit ihren damit einhergehenden Maßnahmen für unerträgliche Differenzen. Eine faktenbasierte Diskussion in der Familie, im Freundeskreis, in Vereinen oder unter Kollegen ist kaum oder gar nicht mehr möglich. Ein schweres und schmerzhaftes Symptom. Es scheint, als ob der Virus wie eine schwere bleierne Last auf uns liegt.

Niemals zuvor konnte eine derartige Dominanz des technokratischen Denkens und Handelns beobachtet werden. Diese Betrachtungsweise soll an dieser Stelle keine politische Aussage darstellen. Vielmehr soll zum Ausdruck gebracht werden, dass Wissenschaft oft vereinfacht und einschränkt und damit immer nur einen Ausschnitt der Realität erklärt, während der Diskurs in einer Demokratie eher zu einer ganzheitlichen Antwort auf gesellschaftlich relevante Fragestellungen führt.

Seit längerem entstehen in den Wissenschaften immer mehr neue Disziplinen, die sich in unzählige Spezialgebiete verzweigen und relativ unabhängig voneinander arbeiten. Selten kommt es zu einem interdisziplinären Austausch, der beispielsweise zu einer größeren Methodenvielfalt führen könnte oder bestehende Dogmen in Frage stellen würde. Sogar eine Methoden- bzw. Ergebnisüberprüfung scheint möglich. Exemplarisch dafür ist das juristische Vorgehen in anhängigen Gerichtsverfahren. Hier werden Gutachten Sachverständiger eingeholt, auf dessen Basis mit stringentem logischem Denken fachfremde Argumentationsketten überprüft und ggf. in Frage gestellt werden, sofern diese sich aus formal logischen Gründen als nicht haltbar herausstellen.

Grundsätzlich ist die Entwicklung der Spezialisierung durchaus wichtig und nicht generell in Zweifel zu ziehen. Gute Wissenschaft weitet jedoch immer wieder ihren Fokus und betrachtet das oft erwähnte große Ganze, denn das große Ganze hat sie nun einmal in das Detail geführt. An dieser Stelle muss der Verdacht geäußert werden, dass zu selten ein Schritt zurückgegangen wird, um den Gesamtzusammenhang zu erfassen. Oftmals ist gar nicht mehr bekannt, was ursprünglich zu der entsprechenden Detailbetrachtung geführt hat. So muss beispielsweise, und das ist sicherlich nur ein Gesichtspunkt von vielen, in der Medizinwissenschaft immer wieder die historische Entwicklung kritisch betrachtet und sich vor Augen geführt werden, ob die bestehenden anerkannten Hypothesen nicht nur Dogmen aus der Vergangenheit sind, sondern sich nach aktuellem Kenntnisstand noch als haltbar erweisen. So hat die Infektionstheorie eine bewegte Geschichte, die nicht nur in der Medizin hinlänglich bekannt sein sollte, sondern auch dem größten Anteil der Bevölkerung sollte dieses Wissen nähergebracht werden. Gerade die Entstehung der Infektionstheorie in Bezug auf die Mikroben ist hoch interessant und sollte noch heute kritisch gewürdigt werden. „So waren beispielsweise Antoine Béchamp und Louis Pasteur erbitterte Gegenspieler. Letzterer setzte auf den Erreger, ersterer auf den Wirt als Hauptursache für die Entstehung von Krankheit. Es gilt als nicht gesichert, wird aber gerne kolportiert, dass Pasteur auf dem Sterbebett seinem Widersacher recht gegeben haben soll.“ [1]

„Die Mikrobe ist nichts, das Milieu ist alles!“

vermutlich von Antoine Béchamp, französischer Arzt, Chemiker und Pharmazeut, 1816–1908

In der aktuellen Pandemie nehmen Mediziner, im Besonderen die Virologen, eine herausragende Stellung ein. Ihre Einschätzung wird in unserer Gesellschaft kaum hinterfragt und entscheidend zur Begründung der getroffenen Maßnahmen herangezogen. Dieses Vorgehen erscheint insbesondere unter Betrachtung der enormen Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben als nicht adäquat. Wenn wir als Gesellschaft dem technokratischen Denken und Handeln einen wesentlichen Raum zur Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens eröffnen, müssen wir auch über das nötige Wissen und die entsprechenden methodischen Fähigkeiten in der Breite verfügen, insbesondere innerhalb der Riege der Entscheidungsträger. Sonst steht Glaube vor Wissen. Ein Problem, welches sich aktuell dramatisch offenbart und hoch toxisch erscheint. Es ist nun an der Zeit, dass sich sehr viele Menschen als mündig erweisen, auf Forschungsreise begeben und auf die eigenen Fähigkeiten vertrauen.

Es geht nicht darum zu misstrauen, es geht darum zu hinterfragen. Wir können keine zweifelsfrei absolute Wahrheit, sollte sie irgendwo existent sein, erreichen oder erwarten. Erkenntnisse müssen ständig hinterfragt, geprüft und Dogmen aufgedeckt werden. In diesen wichtigen Attributen befindet sich der Motor wissenschaftlichen Arbeitens.

Ich möchte auf diesen Blogseiten mit Hilfe meiner Denkweise als Mathematiker in die Medizinwissenschaft und deren Sachgebiete eintauchen, um diese hinlänglich besser zu verstehen. Hierbei werde ich insbesondere die Argumentationsweisen der entsprechenden Wissenschaftler mit denen in den Mathematikwissenschaften abgleichen. Dabei geht es mir nicht um Kritik oder Kontrolle, sondern vielmehr um mein zwischenzeitlich gewecktes Interesse für eine Disziplin, welche unser wichtigstes Gut in der Gesellschaft maßgeblich versucht zu schützen, nämlich die Gesundheit eines jeden Einzelnen. Begleitet mich auf meiner Reise und unterstützt mich mit Fragen und kritischen Anmerkungen, insbesondere dann, wenn mir Fehler unterlaufen. Für neue Wissensquellen bin ich stets offen und dankbar. Neues Wissen schreckt mich nicht ab, sondern bereichert mein Leben wie ein anregendes Elixier.


[1] Volker Schmiedel. „Die Mikrobe ist nichts, das Milieu ist alles!“. In: Erfahrungsheilkunde 69.04 (2020), DOI: https://doi.org/10.1055/a-1158-4256.